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25. Juni 2026

42. Bürgerforum Nord trifft Süd: Über bezahlbares, gemeinschaftliches und sicheres Wohnen, statt Verdrängung und Rendite

Beim 42. Bürgerforum „Nord trifft Süd“, das diesmal unter dem Titel „Wohnen anders denken“ stand stellten sich Vertreter*innen der Initiative Chemnitzer 44139 bleibt, des Mieterbeirats Westerfilde-Bodelschwingh sowie den Wohnprojekten MOSAIK e.G. und WIR im Revier vor und diskutierten über aktuelle Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt, eigene Betroffenheit und mögliche Perspektiven für bezahlbares und selbstbestimmtes Wohnen. Zu der von Kay Bandermann moderierten Veranstaltung von der Planerladen gGmbH und der Auslandsgesellschaft.de, in deren Räumlichkeiten die Veranstaltung stattfand, kamen rund 20 Gäste zusammen.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht. Gleichzeitig prägen steigende Mieten, erschwerte Zugänge zum Wohnungsmarkt und Verdrängungsprozesse die Lebensrealität vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund standen beim Bürgerforum unterschiedliche Erfahrungen und Lösungsansätze im Mittelpunkt.

Über die Situation an der Chemnitzer Straße berichteten Philip Vaupel und Lina von der Initiative Chemnitzer Straße 44139. Sie schilderten die Folgen der Kündigungen, die die Bewohner*innen der Häuser Chemnitzer Straße 4 bis 14 im Sommer 2025 erhalten hatten, da ihr Vermieter plant, die Gebäude abzureißen und neue, wahrscheinlich teurere Wohnungen zu errichten. Trotz des  erzwungenen Auszugs Ende April 2026 leben weiterhin mehrere Mietparteien in den Häusern, da sie bislang keine geeigneten Alternativen auf dem angespannten Wohnungsmarkt gefunden haben. Die Initiative machte deutlich, welche Belastungen Verdrängungsprozesse für die Betroffenen mit sich bringen, wie unverständlich es ist, dass mit einem Grundbedürfnis Rendite erwirtschaftet wird und welche Bedeutung Solidarität und zivilgesellschaftliche Unterstützung in solchen Situationen haben können. Insbesondere das Engagement des SoliNetz Dortmund hob Philip Vaupel hervor, die seit den Kündigungen die Bewohner*innen der Chemnitzer Straße unter dem Motto „Die Häuser denen, die drin wohnen“ unterstützen und für Öffentlichkeit sorgen. Gleichzeitig kritisierte die Initiative die Politik, welche das Gefühl vermittelt, die Stadt nicht mit prägen zu wollen, sondern dies der freien Hand des Marktes überlässt. 

Wie erfolgreich langfristiges Engagement von Mieter*innen sein kann, zeigt Mieterbeirats Westerfilde-Bodelschwingh. Vertreterin Isabella Knappmann berichtete von den Erfahrungen eines Stadtteils, der über viele Jahre von häufigen Eigentümerwechseln, deren Ziel es war, ihre Renditen zu steigern, geprägt war. Die Folgen dieses Ziels zeigten sich darin, dass der Stadtteil in eine Abwärtsspirale geriet, Wohnungsbestände vernachlässigt wurden und Bewohner*innen sich nicht gehört fühlten. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 setzt sich der Mieterbeirat gemeinsam mit Bewohner*innen, Politik und weiteren Akteur*innen für bessere Wohnbedingungen und die Interessen der Mieter*innenschaft ein. Dass dieser Einsatz erfolgreich sein kann, zeigt die auch vom Mieterbeirat mit geprägte positive Entwicklung des Stadtteils, die gleichzeitig aber zur Folge hat, dass die Mieten steigen. Applaus brandete im Publikum auf, als Isabella Knappmann vom jüngsten Erfolg einer Mieterin berichtete, die sich erfolgreich vor Gericht gegen eine Mieterhöhung durchsetzen konnte. Die Diskussion machte deutlich, dass die Organisation und Vernetzung von Bewohner*innen sowie das Suchen von Öffentlichkeit ein wichtiger Baustein sein kann, um auf Missstände aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen.

Nachdem sich beide Initiativen, die sich den Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt stellten, vorgestellt wurden, wurden auch alternative Wohnformen vorgestellt. Stefan Müller und eine weitere Mitbewohnerin berichteten über das Wohnprojekt MOSAIK e.G., in dem Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf gemeinsam leben und sich gegenseitig im Alltag begleiten. Die Umsetzung des Projekts dauerte rund zehn Jahre und war von der Suche nach einem geeigneten Grundstück, Finanzierungsfragen und bürokratischen Herausforderungen geprägt. Heute bietet das Projekt Wohnraum für eine vielfältige Bewohner*innenschaft, für welche sich das Zusammenleben wie „eine Mischung aus Familie und Mieter*innen“ anfühlt und in welcher Stefan Müller seine Traumwohnung gefunden hat.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Wohnprojekt WIR im Revier. Die Bewohner*innen berichteten von ihrem gemeinschaftlich organisierten Zusammenleben, das von Mitbestimmung, gegenseitiger Verantwortung und einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt ist. Bewusst versucht das Projekt, die Nachbarschaft mit einzubeziehen, indem sie gemeinsame Aktivitäten wie Grillabende organisiert. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gemeinschaftliches Wohnen ein hohes Maß an Engagement und die Bereitschaft erfordert, Entscheidungen gemeinsam auszuhandeln und Verantwortung zu übernehmen. Aus dem Grund durchlaufen Interessierte und potenzielle Mitbewohner*innen ein längeres Verfahren, in welchem abgeklopft wird, ob beide Seiten zueinander passen.

Die Veranstaltung zeigte die unterschiedlichen Facetten, die das Thema Wohnen bietet und wie viel Kraft und Stärke es benötigt, um sich Wünsche wie Mitbestimmung und Teilhabe zu erfüllen sowie Kämpfe gegen steigende Mieten und Verdrängung zu führen. Wohnen ist, so zeigten es die Beiträge der Podiumsgäste und des Publikums, mehr als ein Grundbedürfnis, sondern auch Nachbarschaft, Solidarität und ein Schlüssel, um Teilhabe für alle zu ermöglichen.

Das 43. Bürgerforum „Nord trifft Süd“ zum Thema Schreiben findet am 30. September um 18:30 Uhr im Großen Saal der Auslandsgesellschaft.de statt.

Die Veranstaltungsreihe „Bürgerforum Nord trifft Süd“ wird von der Planerladen gGmbH und der Auslandsgesellschaft.de ausgerichtete und findet im Rahmen der vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Arbeit der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit statt. Unterstützt wird die Veranstaltung von MIA-DO Kommunales Integrationszentrum Dortmund.