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22. Oktober 2010

Planerladen e.V. schreibt Stadtentwicklungsgeschichte im Ruhrgebiet

Zu sehen in der Ausstellung „Urbanität gestalten - Stadtbaukultur im Ruhrgebiet 1900-2010“ im Museum Folkwang in Essen vom 16.10.2010 bis zum 30.01.2011 Die Ausstellung, die Bestandteil des Programms zum Kulturhauptstadtjahr 2010 ist, stellt den Gang der Stadtentwicklung im Ruhrgebiet in fünf verschiedenen historischen Entwicklungsstufen dar.

Ein besonderes Augenmerk wird hierbei unter anderem auf das Verhältnis zwischen den übergeordneten staatlich-planerischen Rahmensetzungen und den verschiedenen lokalen Akteuren gelegt. Seit 1900 stellt die im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung entstandene Gemengelage von Industrie, Verkehr, Wohnen und Umwelt die zentrale Herausforderung für die Region dar. Die damit verbundenen Strukturen, Diskussionen und Entscheidungs- bzw. Fehlentscheidungsprozesse werden am Modellfall Essen und am Beispiel weiterer Städte im Ruhrgebiet untersucht und illustriert.

Vor diesem Hintergrund beteiligt sich auch der 1982 in der Dortmunder Nordstadt gegründete Planerladen e.V. an der Ausstellung. Hervorgegangen aus einem studentischen Projekt der damaligen Abteilung Raumplanung an der TU Dortmund, reagierte der Planerladen e.V. auf den vielschichtigen Erneuerungsbedarf in der Dortmunder Nordstadt mit dem Ansatz des „Planens aus der Nähe“ und richtete als Basismodul für die Planung von unten eine erste ortsnahe Anlauf- und Beratungsstelle ein. Entsprechend dem konkreten Problem- und Handlungsdruck erweiterte der als „Verein zur Förderung demokratischer Stadtplanung“ gegründete Zusammenschluss schon bald seinen Namen um den Zusatz „...und stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit“. So entwickelte sich aus dem Team von Stadtplanern ein interdisziplinäres Netzwerk, indem auch Fachleute aus den unterschiedlichen Sozialberufen, sowie aus Architektur und Landschaftsplanung hinzustießen. Von Politik und Planungsverwaltung zunächst eher mit Misstrauen beäugt, profitierte die Vereinsarbeit nicht zuletzt von der sozial- und umweltbezogenen Neuausrichtung der nordrhein-westfälischen Städtebauförderung und leistete mit ihren ganzheitlich angelegten bewohnerorientierten Projekten zugleich selbst einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Stadtentwicklungs- und Partizipationskultur in NRW.

Mit den Gründungen des Büros für Architektur und Stadtentwicklung (BASTA) und der GrünBau gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft für soziale Beschäftigung und Qualifizierung in der Stadterneuerung) erfuhr der Planerladen e.V. eine zusätzliche Ausdifferenzierung. Die einzelnen “Betriebsteile” sind bis heute als Projektverbund in der Nordstadt (aber auch darüber hinaus) tätig und ermöglichen so ein breit gefächertes Spektrum an integrierten Stadterneuerungsansätzen “aus einer Hand” im gesamten Ruhrgebiet.

Prof. Dr. Reiner Staubach, selbst Mitbegründer des Planerladens und seit Beginn Vorstandsmitglied betont: “Stadtplanung von unten braucht nicht nur einen langen Atem, sondern setzt auch voraus, dass man sich ohne Schubladendenken auf kommunikative Prozesse mit den Menschen vor Ort einlässt, bei ihren Kreativpotenzialen ansetzt und über professionelle Begleitung deren Gestaltungsmacht stärkt. Heute würde dies als Empowerment bezeichnet werden”.

Im wöchentlichen Wechsel mit Vertretern des Dorstener Stadtteilbüros Wulfen-Brakenberg steht während der Sprechstunde “Kooperative Stadtplanung” (freitags 15.30-17.30 Uhr) ein Mitglied des Planerladen e.V. zum Austausch mit den Ausstellungsbesuchern bereit.