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5. Oktober 2015

Podiumsdiskussion „Jugend diskutiert über Engagement“

Die Podiumsdiskussion am 29. September 2015 unter dem Motto „Jugend diskutiert über Engagement“ in den Räumlichkeiten des Treffpunktes Stollenpark wurde mit 20 jugendlichen Besucherinnen und Besuchern gut besucht.

Der Jugendsprecher Zana Yekta des Jugendforum Nordstadt begrüßte alle Teilnehmenden herzlich und erläuterte den Hintergrund und den Ablauf des Abends. Das Projekt Jugendforum Nordstadt hat sich zum Ziel gesetzt, die Jugend aus der Dortmunder Nordstadt an den politischen Entscheidungsprozessen im Stadtteil zu beteiligen. Den Jugendlichen soll bewusst gemacht werden, dass sie mit ihrem Engagement und ihren Ideen ihren Stadtteil mitgestalten können.

Passend zu dem Thema hielt der Soziologe Prof. Aladin El-Mafaalani von der Fachhochschule Münster einen spannenden Vortrag über Engagement, in welchem er unter anderem die damit verbundenen Probleme und Hintergründe erläuterte. Währenddessen gab es immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu stellen und über das Thema zu diskutieren.

Benachteiligte Menschen machen oft ihr Handeln davon abhängig, ob sie selbst daraus einen kurzfristigen, unmittelbaren und persönlichen Nutzen ziehen können. Sie lösen kurzfristig ihre Probleme und sorgen sich oft nur um den nächsten Tag. Dagegen denken und abstrahieren Menschen aus einem wohlhabenderen Haushalt langfristiger. Schon die Kinder in der Schule können unter Alternativen wählen.

Mit diesem Hintergrund und auf der Grundlage der verschiedenen Denkmuster ist es möglich, zu verstehen, wieso sich oft nur Menschen aus wohlhabenderen Haushalten beteiligen. Wie kann man also nun erreichen, dass sich auch benachteiligte Menschen in der Gesellschaft aus sozialen oder politischen Gründen engagieren? Prof. Aladin El-Mafaalani antwortete darauf, dass es schwierig sei, die Denkmuster der Menschen zu verändern. Eine Möglichkeit bestünde aber darin, die Denkmuster umzugestalten. Wichtig ist es, ein „Leckerli“ bereitzustellen, welches nach einem kurzen Nutzen aussieht. Dieses würde die Menschen motivieren und im gleichen Zuge können die Leute zum Beispiel fürs Wählen begeistert werden.

Ein weiteres Problem, welches an diesem Abend zur Sprache kam, besteht darin, dass sich junge Menschen nur dann für ihre Interessen stark machen können, wenn sie an Engagement und Partizipation herangeführt werden. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch die Bildungsgerechtigkeit, welche in Deutschland häufig noch nicht praktiziert wird. Junge Menschen mit Migrationshintergrund werden die Zugänge zu Bildung oft verwehrt. Es ist ein zentraler Auftrag, der sich an die Politik richtet, im Bereich der Bildung echte Chancengerechtigkeit zu gewährleisten und ein vernünftiges Schulsystem zu verwirklichen. Im Laufe der Diskussion wurden besonders häufig die Schulsysteme aus Skandinavien und Kanada angesprochen, die geeignete Strukturen aufweisen, um die Chancengerechtigkeit zwischen Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. Bis zur vollständigen Verwirklichung der Chancengerechtigkeit hat Deutschland aber noch einen langen Weg vor sich.

Insgesamt waren sich aber alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dahin gehend einig, dass Engagement aus sozialen oder politischen Gründen sehr wichtig ist. Sobald sich Menschen zusammentun, resultiert daraus ein riesiger Effekt und es kann dann in vielen Bereichen etwas erreicht und verändert werden. Wer dies nicht in Anspruch nimmt, „legitimiert damit nur, dass es ihm selber schlechter geht“.

Veranstaltet wurde die Podiumsdiskussion für Jugendliche im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und organisiert vom: Planerladen e.V., Verein junger Deutsch-Afrikaner e.V., Bezent e.V., Jugendförderkreis e.V. und Alevitische Gemeinde.