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26. Mai 2011

Stellungnahme zum Bebauungsplan InN232 - Verlegung des ZOB

In seiner Stellungnahme zum Verfahren geht der Planerladen e.V. auf die zahlreichen Schwachstellen des Vorhabens ein, den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in die Nordstadt zu verlegen.

Ansicht vom ZOB am Königswall

Derzeit schafft die Stadt Dortmund die Voraussetzungen für den Bau des neuen DFB-Museums am Königswall. Aus der Festlegung auf diesen Standort resultiert die Notwendigkeit, für den ZOB eine Ersatzfläche zu finden. Die Wahl fiel auf den Nördlichen Bahnhofsvorplatz. Mit dem B-Plan In232 sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Nach eingehender Auseinandersetzung mit dem laufenden Verfahren sowie den von der Stadt vorgebrachten Argumenten, kommt der Planerladen e.V in seiner fachlichen Stellungnahme zu der Auffassung, dass

  1. durch die ohne Not erfolgte frühzeitige Festlegung des Mikro-Standortes für das DFB-Museum nicht nur vermeidbare Kosten erzeugt werden (ZOB-Verlagerung), sondern damit auch die Chance vertan wird, die Platzierung dieses Leitprojektes für notwendige städtebauliche Entwicklungsimpulse auf der Nordseite des Bahnhofs zu nutzen.
  2. die Suche nach alternativen Standorten für den ZOB nicht schlüssig und ergebnisoffen betrieben wurde, weil im Verfahren offensichtlich geeignete Ersatzstandorte im Citybereich unter den Tisch gefallen sind (Standorte Ostwall und Schwanenwall)
  3. der Nördliche Bahnhofsvorplatz als Standort für den ZOB wegen der negativen städtebaulichen und ökologischen Belastungsfolgen denkbar ungeeignet ist und auch die angeführten kompensatorischen Maßnahmen im Hinblick auf ihre Umsetzungs- und Wirksamkeitsaussichten nicht überzeugen.
  4. auch die als langfristige Standortlösung in Aussicht gestellte Nutzung der ehemaligen Expressgüterabfertigung (+1-Bahnhofsebene) als ZOB-Fläche nur unter bestimmten Voraussetzungen annehmbar ist (u.a. Umweltzone inklusive Hafen, Realisierung der Nordspange).

Die vorliegende Stellungnahme geht im Einzelnen ein auf

  • die fehlende Einbettung sowohl der Museums-Ansiedlung als auch der ZOB-Verlagerung in eine integrierte und perspektivische Rahmenplanung für das weitere Bahnhofsumfeld (City, Hbf, Nordstadt);
  • die in städtebaulich-gestalterischer Hinsicht weiterhin unbefriedigende und mit dem ZOB zementierte Eingangssituation am Nordausgang des Hauptbahnhofs sowie die Gefahr eines „dauerhaften Provisoriums“;
  • die negative Signalwirkung der Maßnahme für die zukünftige Entwicklung der Nordstadt entgegen zentraler und politisch beschlossener strategischer Pläne (u.a. Aktionsplan Soziale Stadt, Integriertes Stadtbezirksentwicklungskonzept Nordstadt, radial-konzentrisches Freiraummodell);
  • die Ignoranz gegenüber der bereits jetzt außerordentlich hohen Grundbelastung der Anwohnerinnen und Anwohner.

Die Inhalte des vorgelegten Planentwurfs sind aus Sicht des Planerladen e.V. Ergebnis eines fehlerbehafteten und nicht sachgerechten planerischen Abwägungsprozesses, da die zu erwartenden Belastungsfolgen für die angrenzenden Wohnquartiere der Nordstadt nicht hinnehmbar sind und die bislang vorgeschlagenen Maßnahmen zu ihrer Kompensation in keiner Weise überzeugen können. Vor dem Hintergrund der angekündigten 5-10-jährigen Zwischenlösung sollte die Stadt Dortmund eine erneute Überprüfung alternativer Ersatzstandorte für den ZOB vornehmen.

Der Planerladen e.V. begrüßt und unterstützt die Mitwirkung aller Bürgerinnen und Bürger am öffentlichen Planungsverfahren und möchte sie dazu ermutigen, ihre Fragen, Einwände und Anregungen bis zum 3.6.2011 an das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt zu richten, bevor der Bebauungsplan rechtskräftig wird und vollendete Tatsachen schafft.